Wehrkirche St. Michael in der Wachau Nö

Wehrkirche St. Michael in der Wachau Niederösterreich

Die Mutterpfarre der Wachau, die bereits 987 als „St. Michaelis“ urkundlich erwähnte Wehrkirche.

Wehrkirche St. Michael in der Wachau

Eine der bekanntesten Kirchen der Wachau ist sicherlich die einstige Mutterpfarre der Wachau, die Kirche St. Michael. Auf einem schmalen Streifen zwischen dem Fuß des Michaeler Berges und dem Donauufer gelegen, konnte hier jahrhundertelang die Straße am orographischen linken Donauufer kontrolliert werden. Der Ursprung der Kirche reicht bis weit in die Zeit der Kelten zurück. Hier soll einst eine keltische Opferstätte gewesen sein. Unter Karl dem Großen wurde dieses um das Jahr 800 durch die Errichtung einer Kapelle zu einem Michaelsheiligtum umgewandelt und christianisiert. Schon 987 findet sich die urkundliche Nennung der Kirche „St. Michaelis“. Im Jahre 1164 gelangt die Pfarre St. Michael von Bischof Konrad von Passau durch Tausch an das Stift St. Florian.

Es ist das Jahr 1395, als die Wösendorfer Bürgersleut „Seyfrid den freytl“ und seine Gemahlin Margret den Karner und die Kapelle in dem Beinhaus errichten ließen. Zudem stifteten die beiden eine ewige Messe „in unser cappelin datz sanndt Michel auf dem charner den wir mit sampt der chapelin gepawt habn„. Weihen ließen sie die Kapelle der Hl. Dreifaltigkeit sowie den Hll. Maria, Petrus und Katharina. Einer der beiden Schlusssteine des gotischen Kreuzrippengewölbes zeigt vmtl. das Wappen Seyfrids. Es ist dies ein gespaltener Schild in rot und blau mit drei silbernen Herzen. Die Stiftung des Seyfrids ist deshalb einzigartig für Österreich, da hier ein Bürger ein Ossarium für die Pfarrgemeinde samt darüber liegender Kapelle errichten ließ, in der Gottesdienste zu seinem eigenen Seelenheil abgehalten werden sollten. Dieser „Seyfried der Freytlein“ taucht nur ein einziges weiteres Mal in den Urkunden auf, als er 1384 von den Brüdern Konrad und Ulrich von Maissau zwei Weingärten zu Wösendorf kauft. Der schlichte Sparrendachstuhl mit einem Dachreiterchen des Karners stammt noch aus der Zeit der Erbauung, wie eine dendchronologische Untersuchung ergab.

Hingegen stammt die heute bizarr anmutende Skultur der „Schädelpieta“ aus dem Barock. Sie soll an die Vergänglichkeit erinnern. Ein Einschussloch einer österreichischen Musketenkugel in einem der Schädel lässt vermuten, das es sich bei diesen Gebeinen großteils um in der Schlacht von Loiben gefallenen handeln könnte. Zudem sind zwei josefinische Sparsärge für einen Erwachsenen und ein Kind zu sehen. Diese waren durch einen aufklappbaren Boden „Wiederverwendbar“, eine Anordnung Josef II. An der Westseite des Karners befindet sich ein Bild des hl. Christophorus mit den Zügen des Herzog Maximilian I. um 1500. Leider ist dies auch die Wetterseite, und so ist von dem monumentalen Bild leider nur mehr der obere, durch ein kleines hölzernes Vordach geschützte, Bereich wirklich erkennbar.

Wehrkirche St. Michael in der Wachau Niederösterreich

An der Südseite ist diese ganz besondere Seltenheit zu finden. Zwei romanische Reliefköpfe aus der Zeit um 1100 unterhalb der Dachrinne. Der Mann hat lange Haare und Vollbart, beides zu Zöpfen gedreht. Die Frau hat einen kinnlangen Pagenschnitt. Darunter eine kreisrunde Öffnung die ebenfalls aus dieser Zeit stammen dürfte.

Mumien und Witwenzöpfe in St. Michael

Gelüftet werden konnte auch das Rätsel um drei mumifizierte Leichen, die in Vitrinen zu besichtigen sind. Hielt sich lange das Gerücht, es würde sich um Mumien aus dem 12./13. Jhdt. handeln, so ergaben Untersuchungen das sie aus der Zeit des 17./18. Jhdts. stammen und Menschen aus der Oberschicht repräsentieren. Die ältesten neuzeitlichen Mumien Österreichs. Es handelt sich um eine 45-jährige Frau und zwei Männer im Alter von 72/73 Jahren. Obwohl ausgeschlossen werden konnte, das die Leichen sicherlich nicht durch eine Lagerung im Donausand mumifizierten, wie der Volksmund zu erzählen glaubt, konnte nicht abschließend geklärt werden, wodurch die Mumifizierung stattfand. Dieses Rätsel gaben die Mumien nicht preis, es wird vermutet das es die kühle, trockene Lagerung im Beinhaus gewesen sei. Eine Besonderheit stellen auch die 15 Witwenzöpfe dar. Als Zeichen ihres Verzichts schnitten sich die Frauen früher beim Tod ihrer Ehemänner die Zöpfe ab und brachten sie in den Karner.

Als am 4. März 1451 der päpstliche Legat Nikolaus Cusarius (Nikolaus von Kues) St. Michael eine Ablassurkunde ausstellte, wurde der Grundstein gelegt um die Kirche um- und auszubauen. Der heutige Bau der Kirche stammt großteils aus der Zeit um 1500 und wurde 1530 vollendet, als die romanische Steinkirche durch die spätgotische Kirche ersetzt wurde. Allerdings ist unter dem Langhaus noch die Gruft aus der Zeit des Vorgängerbaues erhalten (11. Jhdt., Abgang neben dem Eingang an der Nordseite). Ganz außergewöhnlich sind die im Volksmund als die „7 Hasen von St. Michael“ bekannten sagenhaften Tierfiguren am Dachreiter des Ostchores. Es dürfte sich dabei um eine sog. „Wilde Jagd“ handeln. An vorderster Stelle steht der Hirsch, gefolgt von fünf Hunden und zuletzt ein stilisierter Reiter.

Im Zuge des Neubaus der Kirche wurden gleichzeitig die Wehranlage mit ursprünglich fünf Türmen und einer Zugbrücke erbaut. Bereits zwei Jahre später, 1532, wird der Kirchturm von spanischen Hilfstruppen in Brand gesteckt. Der ursprünglich rein gotische Turm erhielt 1544 einen oberen Abschluß im Stil der Renaissance. Dieser Teil ist erkennbar an seinem verputzen Mauerwerk. Im ersten Obergeschoß, das als mittelalterlicher Bergungsraum genutzt wurde, findet sich ein Kreuzrippengewölbe. Die oberen Stockwerke sind durchwegs wehrhaft ausgebaut und schwer zugänglich.

Ein Brand war es auch, der 1630 Teile des Kirchengewölbes einstürzen ließ. Zur „Aufführung 3 Gewölber“ (einer Neueinwölbung der ursprünglich gotischen Hallenkirche) wurde der Baumeister Cypriano Biasino zu einem Lohn von 1.600 fl (Gulden) und 20 Eimer Wein vertraglich verpflichtet. Er ummantelt die gotischen Strebepfeiler, errichtet ein frühbarockes Kirchengewölbe und vollendet den Auftrag 1634. Eine Rechnung aus dem Jahr 1595 gibt ebenfalls Aufschluß über die Bauarbeiten in St. Michael „…verrechnet fürs Totengräberhäusl ein Viechstall, die Ringmauer und die Türm ausgebessert, das Schulhaus ob des Pfarrhofes aufgedeckt…“ Die Renaissanceorgel aus dem Jahre 1650 ist eine der ältesten erhaltenen in ganz Österreich und dürfte antiquarisch von einer Kirche im Raum Krems erworben worden sein.

Wehrkirche St. Michael in der Wachau Niederösterreich

Der östliche Turm an der Kirchhofmauer ist noch vollständig erhalten.

Wehranlagen in St. Michael

Aus Angst vor kriegerischen Auseinandersetzungen und marodieren Streifscharen wurde die Wehranlage bis ins 17. Jhdt. mehrmals verstärkt. Die Umfassungsmauer war durch den Niveauunterschied zur Donau hin tw. als Futtermauer ausgeführt. Sie wurde 1575 auf bis zu 7 Meter erhöht und 1605 sowie 1677 verstärkt. Der mächtige dreigeschossige Rundturm an der Südostecke war mit dem Karner durch eine begehbare Bogenbrücke verbunden, von der heute noch ein mit 1886 bezeichneter sog. Schwibbogen erhalten ist. Der heutige, ebenerdige Zugang ins Innere des Rundturmes wurde neuzeitlich ausgebrochen. Die Stockwerke des Turmes sind mit Schlüsselscharten in Stockwerk eins und drei, sowie mit umlaufenden Pechnasen auf Kragsteinen in Stockwerk zwei versehen. Vom Turm gelangte man über heute vermauerte Türöffnungen auf den Wehrgang der Friedhofsmauer. Nordseitig befindet sich ein Abort. Ein weiterer Rundturm stand in der Nordostecke und sicherte ua. die direkt an ihm vorbeiführende jahrhundertealte Straße. 1805 stürzte er tw. ein und wurde abgetragen. Erhalten blieb ein ehm. Torturm mit Holzbrücke über einen Graben am heutigen Friedhofzugang.

1784 wurde die Pfarre St. Michael aufgelöst und nach Wösendorf verlegt, dadurch übersiedelt auch der Pfarrer in den Pfarrhof in Wösendorf. Seither ist sie Filialkirche der Pfarre Wösendorf. Heute feiert der Sankt Michaeler Orden alljährlich das Namens-Hochfest in der Kirche.

Obwohl es auf dem Kirchengelände einen Friedhof gibt, führt ein auch heute noch teilweise erhaltener Karrenweg in das Waldviertel, der im Volksmund „Totenweg“ genannt wird.

1948 beginnen Renovierungsarbeiten an der einsturzgefährdeten Wehrkirche. Der heute gute Zustand der gesamten Anlage ist der 1950 gegründeten „Vereinigung zur Erhaltung der Kirche St. Michael“ zu verdanken. Herr Zehetner, Herr Simlinger, Dr. Zykan vom BDA, Bezirkshauptmann Dr. Sauer und viele weitere setzten nach dem Bau der Wachaustraße 1954-58 die Restaurierungsarbeiten weiter fort und ließen am 26. Mai 1968 die frisch renovierte Kirche durch Bischof Dr. Franz Zak feierlich wiedereröffnen.

 

Führungen in St. Michael

Frau Gertraud Huber bietet ganzjährig interessierten Besucher in einer spannenden Kirchenführung Zugang zur Kirche, dem Karner und erzählt die Geschichte und Geschichten der Wehrkirche St. Michael. Sie informiert dabei über die Baugeschichte der Kirche, sowie die Innenausstattung, Heiligenstatuen der Kirche und deren Symbole. Spannend wird es dann besonders für die kleineren Besucher, wenn Fr. Huber die Sage von den 7 Hasen erzählt. Um eine Voranmeldung zur Kirchenführung wird gebeten. Freiwillige Spenden zur Erhaltung der Wehrkirche sind herzlich willkommen.

Gertraud Huber
Tel.: +43 (0) 2713 / 300 93
Mobil: +43 (0) 664 / 973 45 21

 

 

Kontakt:
Die Kirche ist von März bis Oktober täglich von 8-18 Uhr bis zum Gittertor geöffnet, in den Wintermonaten an Sonn- und Feiertag.
Wehrkirche St. Michael
Sankt Michael 2
3610 Sankt Michael
Telefon: +43 (0) 2715 2203
Telefon Schlüssel: +43 (0) 2713 30093
Fax: +43 (0) 2715 2203
Home: www.wehrkirche-st-michael.at
Email: pfarreweissenk-wachau@aon.at

Quellen:
Kirchen am Fluss
Karl Kafka, Wehrkirchen Niederösterreichs II., Wien 1970
Häuserchronik Weißenkirchen, Kapitel 3 Sankt Michael
Wikipedia-Eintrag

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