Klamhof in Pergkirchen OÖ

Klamhof in Pergkirchen Oberösterreich

Die niedrige, unverputzte Mauer hinter den kleineren Obstbäumen links unten ist lt. den heutigen Besitzern der älteste Teil der Anlage.

Der Klamhof in Pergkirchen

Die Geschichte des Klamhof in Pergkirchen reicht weit in die Vergangenheit zurück. Der Hof liegt etwas erhöht auf einer Niederterrasse über den einstigen Augebieten östlich von Perg am linken Donauufer. Das hier schon immer gerne gesiedelt wurde, zeigt das Gräberfeld ca 200 m nördlich des Klamhofes. Die ältesten Mauern an der Südostseite sollen lt. den Besitzern gar in die Zeit um 1000 n.Chr. zurückreichen. Sie hatten an der Außenseite bis vor kurzem (zumindest zwei) querstehende Schlitzscharten, wobei eine davon leider bei Sicherungsarbeiten vom Bagger angefahren wurde und verloren ging. Die zweite konnte aber erhalten werden. An der dem geschlossenen Innenhof zugewandten Innenmauer hat sich ein ebenerdiger Abgang in den Keller, ein heute ca. 1 Meter über Bodenniveau liegender rundbogiger Einstieg und mehrere kleinere Fensteröffnungen erhalten. Die Ausbuchtungen an den Steingewänden der beiden Portale stammen lt. den Besitzern vom Durchrollen großer Mostfässer. Dieses Gebäude war lange als „Troadkasten“ (Getreidespeicher) in Verwendung. Da es als ältester Teil des Hofes galt, wollten die Besitzer diesen Teil unbedingt erhalten und verfugten das Mauerwerk neu, gruben den Hang ab und setzten die alten originalen Eisenbeschläge an neue Türen. Die Lage am Hang war auch der Grund, warum in diesem ältesten Teil des Hofes der Abgang rechts tiefer angelegt wurde als das Tor links.

Der Auskunft der Besitzer, nachdem dies die ältesten Mauerreste am Klamhof sind, steht eine Abbildung gegenüber, die die damals noch unverputzte Nordecke des Vierkanters zeigt und folgendermaßen beschreibt: „Gedrungener 4eck. Turmbau, der in den 20er Jahren (des 20. Jhdts. Anm.) auf Firsthöhe des heutigen Landwirtschaftshofes abgetragen und in diesen eingebunden wurde; noch deutlich erkennbare Naht im Steinmauerwerk.“ Quelle: Burgen und Schlösser in Oberösterreich, Herbert Erich Baumert & Georg Grüll, 1988 Birken-Verlag/Wien.

Auf dem alten SW-Bild ist sorgfältig geschichtetes Steinbloßmauerwerk zu sehen, mit an der Ecke zugeschlagenen, quaderhaften und teils ca. 1 m langen Steinen. Die Tür- und Fensteröffnungen wurden später ausgebrochen und mit Ziegeln wieder verfüllt.

Norbert Grabherr weis in seinem Burgenführer auf Seite 263 zu berichten, das der Turm um fast eine Geschoßhöhe abgetragen wurde, um ihn in das Dach des Hofes einzubinden. Abgesehen von der auch von Grabherr genannten deutlichen Mauernaht, sei dieser Turmstumpf auch noch an den Fensteröffnungen erkennbar gewesen.

Die ältesten urkundlichen Nennungen zum Klamhof blieben aus der Zeit um 1400 erhalten. Ein Martin der Chlammer hatte diesen Sitz von den Herren von Maissau zu Lehen. Ihm folgte Martin Steinberger, der 1434 den Hof allerdings als landesfürstliches Lehen besaß und in den Klamhof als Erbe 1455 an „Affra, weilent Mert Stainperger sel. Tochter“ weitergab. Allerdings war die Schreibweise hier (lt. Grabherr) als ein „sicz am Klainhof“. Seit 1491 gehörte der „sicz am Klamhof in der Pergkircher pharr“ zum Gutsbestand der Herrschaft Windhaag.

Reproduktion Klamhof in Pergkirchen Oberösterreich

Die reproduzierte Aufnahme zeigt den nordlichen Eckverband mit den großen Quadersteinen. Die Fenster- und Türöffnungen wurden nachträglich ausgebrochen.

 

Die Besitzerin, Fr. Kaindl, stellte dankenswerter weise eine Besitzerliste zur Verfügung:
um 1400                          Chlammer Martin
bis 1455                          Stainberger Martin und Barbara
25.04.1455                     Stainberger Wenzel
20.09.1455                     Perkhaimer Wolfgang
bis 1494                         Häckinger Wolfgang und Affra
ab 1494                          Laßla Prager, Freiherr von Windhaag
1613                               Puchberger Hans, Gutsverwalter der Herrschaft Windhaag
1617                              Fröschl Hans und Susanne, Gutsverwalter 
23.11.1624 – ?               Steirer Michael und Salome
bis 23.06.1665               Steirer Michael und Rosina
23.06.1665 bis 14.06.1685        Steirer Jakob und Magdalena
14.06.1685 bis 20.04.1733        Schwaiger Paul und Eva
20.04.1733 bis 12.07.1735        Schwaiger Georg und Maria
12.07.1735 bis 31.12.1750        Schwaiger Georg und Anna
31.12.1750 bis 27.04.1774        Hanl Simon und Maria Anna
27.04.1774 bis 21.05.1787        Hanl Simon und Elisabeth
21.05.1787 bis 28.12.1814        Kranzl Michael und Elisabeth
28.12.1814 bis 16.11.1822        Kranzl Michael
16.11.1822 bis 18.10.1862        Kranzl Johann
18.10.1862 bis 23.04.1896        Kranzl Johann und Magdalena
23.04.1896 bis 11.02.1915        Kranzl Georg und Maria
11.02.1915 bis 04.11.1931        Kranzl Maria
04.11.1931 bis 23.06.1966        Kranzl Georg und Anna Maria
23.06.1966 bis 04.11.1999        Rohrleitner-Kranzl Georg und Anna
04.11.1999 bis heute                 Kaindl Johann und Christine

Der Klamhof ist heute ein idealer Ort in Perg-Umgebung, um in einer entspannten, familiären Atmosphäre private Feste zu feiern oder Seminare abzuhalten. Das bei Renovierungsarbeiten freigelegte Ziegelgewölbe wurde modern ausgestattet (Küchenzeile mit Kühlschrank, E-Herd und Geschirrspüler, Heizofen, behindertengerechtes WC etc.) und bietet für ca. 20- 25 Personen ausreichend Platz. Für diese Personenanzahl steht Geschirr, Eßbesteck, Tischwäsche und Kaffeemaschine zur Verfügung. Zusätzlich befinden sich ein moderner Beamer und eine Leinwand im Seminarraum. Bei Bedarf steht zusätzlich auch der großzügige Innenhof zur Verfügung.

 

Kontakt:
Familie Kaindl
Auhof 7
4320 Perg
Email: chkaindl@gmx.at
Tel.: +43 (0) 7262 53 613
Mobil: +43 (0) 650 / 34 674 60 oder +43 (0) 650 / 34 772 59

 

Quellen:

  • Burgen und Schlösser in Oberösterreich, S. 153, Herbert Erich Baumert & Georg Grüll, 1988 Birken-Verlag/Wien.
  • Burgen und Schlösser in Oberösterreich, S. 263, Norbert Grabherr, 1970 OÖ Landesverlag.

 

 

Das Gräberfeld beim Klamhof

Nur rd. 500 m vom Klamhof entfernt wurde in den 1960er Jahren ein Gräberfeld ausgegraben. Die Grabbeigaben (Siehe Seite 13+14) werden im Linzer Landesmuseum aufbewahrt und zuerst in das 8., später jedoch in das 10. Jhdt. n. Chr. datiert. Ging man zuerst von einem Bajuwarischen Gräberfeld aus, so wurde auch das nachher korrigiert und die Forschung vermutete eine frühdeutsche Bevölkerung mit slawischen Wurzeln. Das Skelett im Grab 37 besaß eine knöcherne, für die damalige Zeit nicht als mitteleuropäisch zu bezeichnende Nase.

Entdeckt und erkannt wurde die Nekropole als Gräberfeld erst im Jahre 1965, nach dem zw. 1920 bis 1960 bei der Feldbestellung immer wieder (zumindest 27) Gräber angetroffen und zerstört wurden. Die größeren Knochenstücke kamen auf den Friedhof von Pergkirchen. Die ausgeackerten Tonscherben wurden vom Schulleiter von Pergkirchen gesammelt und an Dr. Gustav Brachmann weitergeleitet. Ein 1940 geborgenes Skelett samt Grabbeigaben eines 14-jährigen Knaben kam ins Perger Heimathaus und ist seitdem verschollen. Auch 1947 wurden wieder Gräber angeackert und die geborgenen Relikte ins OÖ Landesmuseum überstellt.  Die großflächige Freilegung des Gräberfeldes erfolgte in den Jahren ab 1965 unter Univ. Prof. Dr. Ämilian Kloiber (1910-1989) vom OÖ Landesmuseum mit für heutige Verhältnisse einfachste Hilfsmittel. Dies gelang, da die Bevölkerung regen Anteil nahm an den Grabungs- und Bergungsarbeiten. Allen voran der Landwirt Georg Trauner-Schützeneder, vulgo Edhofer (1900-1974), der bereits in den 1930er Jahren auf einem seiner Felder jungsteinzeitliche Artefakte beim Ackern fand. So fanden sich Mitte der 1960er Jahre heimatkundliche interessierte Perger Bürger zu informellen Gesprächsrunden, woraus später der Perger Heimatverein entstand.

Interessant ist zudem, das bei den Freilegungsarbeiten des Gräberfeldes ein Töpferofen aus dem Mittelalter zutage kam und freigelegt wurde. Es wird vermutet, das der Ofen samt Töpferwerkstatt mit dem nahen Klamhof in Verbindung stand. Es liegt nahe, das hier für den Eigengebrauch im Rahmen kleinräumig strukturiertem, grundherrschaftlich gebundenem Handwerk nachgegangen wurde.

Quellen:

 

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