Burgruine Gomarn in Bad St. Leonhard (Kärnten)

An einem bereits in vorrömischer Zeit bestehenden Handelsweg gelegen, entwickelte sich der Ort St. Leonhard im Lavanttal im Schutz der Burg Gomarn zu einer Stadt mit Rechten und Privilegien.

Burgruine Gomarn Bad St Leonhard Kärnten
Blick von der Burgruine Gomarn auf Bad St. Leonhard.

Die Verbindung von Wolfsberg im heutigen Kärnten über den Obdacher Sattel in das Gebiet der heutigen Steiermark war bereits in vorrömischer Zeit eine wichtige Handelsroute. Unter den Römern wurde auf dem heutigen Gemeindegebiet Aufgrund der verkehrsgünstigen Lage eine Straße angelegt.

Das Gebiet rund um St. Leonhard war seit je her wegen seiner Bodenschätze begehrt. Im 9. Jhdt. war es Besitz der Salzburger Erzbischöfe. Im 11. Jhdt. ging das Gebiet an das mächtige Bistum Bamberg. Die reichen Erz- und Goldvorkommen ließen das als Gaminare oder Gomarn bezeichnete Gebiet schnell zum Zentrum des florierenden Erz- und Goldbergbaues werden. Schon die Kelten wußten um die reichen Erzvorkommen rund um den Berg Gamanara, zu dem bereits um 900 eine Eisenschmelze urkundlich erwähnt wird. Die verkehrsgünstige Lage und die Bodenschätze ließen schnell einen befestigten Platz entstehen. Auch wenn die Burg Gomarn erst 1287 urkundlich erwähnt wird, so darf doch davon ausgegangen werden, dass hier bereits wesentlich früher ein befestigter Platz war. Die dem heutigen Burgareal vorgelagerte Filialkirche Hl. Kunigunde ist in ihren Ursprüngen romanisch und war einst die Burgkirche.

Die Besitzer der Burg Gomarn

Das Bistum Bamberg versuchte über mehrere Jahrhunderte, die verstreuten Besitzungen im heutigen Lavanttal zu einem größeren Herrschaftsgebiet zu vereinen. Der Abschluss dieser Bestrebungen erfolgte 1425 mit dem Erwerb der Hochgerichtsrechte in diesem großen, nun bereits geschlossenen Besitzkomplex. Durch verliehene Privilegien konnte auch St. Leonhard bereits im Mittelalter aufblühen. Am 22. Juli 1325 bestätigte Bischof Heinrich von Bamberg mehrere Stadtrechte (Markt- und Mautrecht, Handelsfreiheit uvm.) urkundlich. Dadurch erhielt der Ort ua. das Recht, sich gegen äußere Feinde durch Erbauung von Befestigungen zu schützen. Seitdem bildet die Burg Gomarn mit der Stadtmauer eine Einheit.

Das Jahr 1480 war für ganz Österreich und seine Bewohner eine schwere Prüfung. Die Ungarn fielen marodierend ins Land und brachten 10 Jahre lang Not, Schrecken, Plünderung und Verwüstung. In dieser Notzeit brachten überreiche Niederschläge, Hungersnöte und die Pest großes Leid auch auf die Bevölkerung im Lavanttal. Schloß Ehrenfels wurde mit der Herrschaft St. Leonhard 1759 von Erzbischof Franz Konrad von Bamberg mit samt seinen weiteren Kärntner Besitzungen an Kaiserin Maria Theresia verkauft. So ging auch Burg Gomarn in kaiserlichen Besitz über. 1935 wurde die Änderung des Namens der Stadtgemeinde in Bad St. Leonhard im Lavanttal bewilligt.

Burgruine Gomarn Bad St Leonhard Kärnten
Die im wesentlichen spätgotische Burgruine Gomarn in Kärnten zeugt von der vielbewegten Vergangenheit von Bad St. Leonhard.

Beschreibung der Burgruine Gomarn

Die im Kern romanische Anlage besteht größtenteils aus Bauteilen aus der Zeit der Gotik. Besucher, die vor der Anlage stehen, werden beim Anblick der rustikalen Mauerreste unwillkürlich an die Burgen Englands erinnert. Kommt man vom Ort Bad St. Leonhard zur Burgruine Gomarn, steht man schnell vor dem vorkragenden Torbau. Rechts davon die bis zu vier Stockwerke hohen Mauern des Palas aus dem 15. Jhdt. Links vom Torbau der wuchtige, quadratische Stumpf des Bergfrieds aus dem 14. Jhdt. Den Mauerfuß des Bergfrieds schützt ein grabenseitig vorgelagerter Talus. Durch den Torbau betritt man das Burgareal und ist von den vielen Fensteröffnungen des Palas fasziniert. Bei rauschenden Festen im großen Saal wird es wahrlich höfisch zugegangen sein.

Linker Hand befinden sich die Reste des quadratischen Bergfrieds. Sie waren einst höher, wurden jedoch wegen Einsturzgefahr auf die heutige Höhe abgetragen. Das Mauerwerk ist in solider Mauertechnik aufgeführt. Dem Bergfried gegenüber befindet sich der unterkellerte Palas aus dem 15. Jhdt. In ihm befand sich der 8 x 33 Meter große Saal, er zählte zu den größten in Kärnten zur Zeit des Hochmittelalters. Zahlreiche Fensterstöcke sind an der Palas-Außenwand noch zu sehen. An den Palas schloß an der Nordseite ein Turm an. Von ihm ist leider nur mehr wenig aufragendes Mauerwerk erhalten. Er stammt aus dem 16. Jhdt.

Die einzelnen Gebäude, Stallungen und Wirtschaftsgebäude waren von einer, heute teilweise restaurierten, Wehrmauer umgeben. Diese schließt an die noch stellenweise gut erhaltene Stadtmauer an. Vor den Toren der Burgruine Gomarn liegt die Filialkirche H. Kunigunde, die ehemalige romanische Burgkapelle.

Burgruine Gomarn Bad St Leonhard Kärnten
Im Bild rechts die Reste des Palas, dahinter im Bild links die Reste eines Eckturmes.

Die Geschichte der Burg Gomarn

Das Gebiet rund um das heutige Bad St. Leonhard dürfte bereits zu Zeiten der Kelten ein bekanntes Erzabbaugebiet gewesen sein. Der Erzabbau und das ganze obere Lavanttal, wurden Gamanara genannt. Diese Bezeichnung übertrug sich später auf die Stadtburg, die heutige Burgruine Gomarn. Obwohl die Burg erst im Jahre 1278 erstmals urkundlich erwähnt wird, darf davon ausgegangen werden, dass die Anlage viel älter ist. Vielleicht bestand sogar schon lange vor den Langobarden, denen die Bajuwaren folgten, hier eine Befestigung. Denn in der Gegend wurde nicht nur Eisenerz abgebaut, sondern vor allem auch Gold.

Um die wichtige Straßenverbindung und den Abbau der Bodenschätze zu sichern, brauchte es eine Burg. Wahrscheinlich wurde bereits im 11. Jhdt. eine kleine befestigte Anlage an der strategisch wichtigen Stelle erbaut, die den Ort St. Leonhard etwas überragt. Im 14. Jhdt. ist die Burg Gomarn Amtssitz des bambergischen Land- und Bergrichters über das obere Lavanttal. Die Bamberger Bischöfe ließen die Burg aus- und umbauen. So wird die Entstehung des vorkragende Torbau zu Ende des 15. Jhdts. eingeordnet. Nach einem Brand im Jahre 1762 wird die Burg Gomarn wieder aufgebaut. 1808 brennt sie erneut ab und danach dem Verfall preisgegeben.

Die Burganlage ist im Grundriss fast dreieckig mit einem Eckturm, Palas und dem Bergfried an der Zugangsseite. Die steile Böschung des umlaufenden Grabens erzwang eine weitgehende Abstützung der Mauern und des Bergfrieds, besonders an der Süd- und Westseite. Der Palas verfügt noch heute über begehbare Kelleranlagen.

Das Burggelände und der idyllische Schlosspark sind mit dem Kinderwagen oder auch für Rollstuhlfahrer befahrbar.

Quellen und Verlinkungen:

  • Burgen & Schlösser in Österreich; Georg Clam-Martinic; 1991 by Landesverlag im Veritas Verlag, Linz; S. 79
  • Von Burg zu Burg in Österreich; Gerhard Stenzel; 1973; S. 216
  • Kärntner Burgenkunde; Kohla/Metznitz/Moro; 1973
  • Burgen und Schlösser um Wolfsberg, Friesach, St. Veit; Hermann Wiessner; 1963
  • Burgen und Schlösser in Kärnten; Hugo Henckel-Donnersmarck; 1964
    Dehio-Kärnten; 2001

1) Homepage der Stadtgemeinde Bad St. Leonhard
2) Eintrag auf burgenwelt.de
3) Zusammenfassung der umliegenden Quellen im Austria-Forum
4) Eintrag Burg Gomarn auf wikipedia
5) Eintrag Bad St. Leonhard auf wikipedia
6) Eintrag auf Wehrbauten.at
7) Eintrag auf LovnTol.at (mit vielen weiteren Burgen der Umgebung)
8) Google Maps

Lage: Kärnten, oberes Lavanttal, Bezirk Wolfsberg
Anschrift: 9462 Bad St. Leonhard
Parken: Postgasse 55, 9462 Bad St. Leonhard im Lavanttal
Öffnungszeiten: jederzeit frei zugänglich
Für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer erreichbar: Ja

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