Burgkirche Gossam Nö

Burgkirche Gossam in der Wachau Berichtbild
Sehr versteckt im Tal des Felbringbaches gelegen, liegt das Burgkircherl Gossam eingebettet in eine hügelige, waldreiche Landschaft zwischen Wachau und Weinviertel.

Burgkirche Gossam – die Besitzer

Als Erbauer der Burganlage Gossam kommen höchst wahrscheinlich die Grafen von Pernegg in Frage. Es werden Vermutungen angestellt, das die Gründung der Burg in Zusammenhang mit einer Herrschaftsgründung zu sehen sei. Ein „Ulrich de Gosheime“ tritt im letzten Viertel des 11. Jhdts. in Erscheinung. Es ist nicht mit abschließender Sicherheit festzustellen, ob er in Verbindung mit der Burganlage Gossam zu setzen ist. Ulrich II. nennt sich 1084 und 1140 sowohl nach Pernegg als auch „Gossisheim“. Zeitgleich dürfte dann Ulrich III. hier ansässig gewesen sein, da er sich in den Jahren 1130 und 1170 als Graf von Deggendorf, Pernegg und Weitenegg nennt, sich 1130 und 1138 auch „nach Gossisheim“. Der Name „Gossisheim“ weist vmtl. auf eine Heim(stätte) des Gossi hin. In der Umgangssprache wird heim mit ham (Daheim = Daham) gleichgesetzt. Im Laufe der Jahre ging wohl das h verloren und übrig blieb von Gossisheim das heutige Gossam.

Zurück zum Lauf der Geschichte und den Grafen Pernegg. Um das Jahr 1200 dürfte die kleine Burg an einem Handelsweg zwischen Wachau und Waldviertel im Zuge der Besitznachfolge der Pernegger an die Babenberger gekommen sein. Warum die Burg ihre Sitzfunktion verlor kann heute nur vermutet werden. War es ein Abflauen des Handels- und Warenverkehrs an diesem Handelsweg das zum Niedergang der Burg führte? Gesichert scheint zu sein, das die Burg mehr und mehr verfiel, während die einstige (kleine) Burgkapelle im 14. Jhdt. als Wallfahrtsort mehr und mehr an Bedeutung erlangen konnte. Darum wurde die Kapelle stetig ausgebaut, um den Wallfahrern und Pilgern Platz (und Unterkunft?) zu bieten und so wurde die Burgkapelle zu einer kleinen Kirche, wenn gleich diese nie die Rechte einer Pfarrkirche inne hatte, sondern immer zu Emmersdorf an der Donau zugehörig war. Der Höhepunkt der Wallfahrten wird im 15. Jhdt. vermutet, danach gingen die Besucherzahlen langsam zurück und damit auch der Bedarf an Platz. So wurden die zuvor gemachten Erweiterungen des Kirchenraumes wieder vermauert und rückgebaut.

Die Zeit der Reformation leitete schließlich den langsamen Verfall der Anlage ein, obwohl 1780 noch letzte Gottesdienste abgehalten wurden. Um 1900 erkannte man zwar den Wert der romanischen Fresken, doch wurden die Pläne für eine Rettung der damals noch unter Dach befindlichen Kirche wieder verworfen. Es gab lediglich temporäre Sicherungsarbeiten die nur die notwendigsten Maßnahmen beinhalteten. Erst im Zuge der Untersuchung der kompletten Anlage in den Jahren 1988 bis 1994 wurden umfassende Restaurierungsmaßnahmen gesetzt. Die letzten noch verbliebenen Reste der romansichen Fresken wurden sicherheitshalber fachmännisch abgenommen und in das Museum der Stadt Krems gebracht.

Burgkirche Gossam in der Wachau

Die Kapelle wurde immer wieder um- und ausgebaut, später wieder verkleinert. Dies alles macht aber auch den Reiz der Burgkirche Gossam aus, in der der Fachkundige aus den Mauerzügen und Mauernähten interessante Details und neue Erkenntnisse gewinnt.

Burgkirche Gossam – die Gebäude

Nordwestlich von Gossam, sehr versteckt am Ende des Felbringbaches gelegen, erhebt sich auf einem unvermittelt in einem kleinen Talkessel auf einem steilen Felsen das Burgkircherl St. Pankratz. Ursprünglich als Burgkapelle um 1100 im Zuge der Errichtung der Burganlage entstanden, wurde die Kirche bis zum Beginn des 15. Jhdts. aufgrund der nicht enden wollenden Wallfahrertätigkeiten laufend erweitert. Schnell verlor die Kirche jedoch Ihre Anziehungskraft, als die Zeit der Reformation ab der Mitte des 16. Jhdts bis hinein in das 17. Jhdt. einsetzte. Die Burg selbst war wohl schon lange zuvor nicht mehr kontinuierlich in Verwendung und so verfiel die einstige Wallfahrtskirche schnell zur Ruine. Obwohl noch Gottesdienste abgehalten wurden, befand sich die Pankratiuskapelle in der Mitte des 18. Jhdts. bereits in einem beklagenswerten Zustand.

Bis ins 19. Jhdt. hinein allerdings war stets von der Pankratiuskapelle „zu Burg“ die Rede, obwohl damals vermutlich keine direkten Hinweise auf eine Burganlage zu sehen waren. Da die Burgkirche wahrscheinlich seit dem 13. Jhdt. bereits Teil der Emmersdorfer Kirche war, fanden Messen oder Andachten nur an gewissen Tagen im Jahr statt, etwa am Patroziniumstag. Die Kirche hatte offiziell keinen Friedhof und nie die Rechte einer Pfarrkirche.

Die Freilegung durch den Verein für Dorferneuerung und Kulturinitiativen Gossam in den Jahren 1988 bis 1994 wurden durch umfassende archäologische Untersuchungen unter der Aufsicht des BDA durchgeführt. Waren vor der Freilegung ausschließlich die Ruinen der Burgkapelle und späteren Wallfahrerkirche St. Pankratius zu sehen, kamen nach und nach die Mauerreste einer relativ frühen, komplexeren Burganlage zum Vorschein. Die großteils nur im Fundamentbereich erhalten gebliebenen Mauerzüge wurden nach der Freilegung ergänzend aufgebaut und so vor weiterem Verfall geschützt.

Der Befund der Grabungen zeigte einen ursprünglich kleinräumigen, polygonalen Bering als Kern der Anlage. Interessanterweise war für diese frühe Zeit kein Turm feststellbar. Die Vorburg lag im Norden des Areals, allerdings etwas tiefer als der Kern der Anlage. Die Kapelle konnte als ein ursprünglich quadratischer, nach NO orientierter Apsidensaal rekonstruiert werden. Sowohl die Kapelle als auch die original erhaltenen Mauerteile des Berings weisen lagig versetztes, kleinwürfeliges, hammerrechtes Bruchsteinmauerwerk auf. Im 14. Jhdt., als die Wallfahrten einsetzten, war die Burgkapelle schnell zu klein. Sie wurde nach Westen vergrößert, wobei der verbliebene Rest als Ost-Abschluß eines nun erweiterten Kirchenbaues diente. In einer weiteren Ausbauphase wurde diesem Kirchenbau an seiner Westseite ein auf dem Felsen der Kernzone aufsitzender Turm mit polygonalem Glockengeschoß und gemauertem Spitzhelm angelehnt.

Zum Höhepunkt der Wallfahrt wurde der Bau dann an der Südseite mit einem über die gesamte Länge begleitenden Schiff ausgestattet. So dürfte sich das Fassungsvermögen der eher kleinen Wallfahrtskirche verdoppelt haben. Als die Wallfahrten dann wieder zurückgingen, wurde dieses Süd-Schiff durch Zumauern der offenen Verbindungsbögen außer Funktion gesetzt.

Besonderes Interesse rief der über dem ehemaligen Altar vermauerte römische Grabstein hervor. Er gab Anlass zur Vermutung, das sich hier einst ein Heiligutm oder evt. auch ein Wachtposten der Römer befunden haben könnte. Der römische Grabstein befindet sich heute im Stift Melk. Aber die Kirche hatte noch mehr zu bieten. So wird vermutet, das die Burgkirche einst mit Fresken reich ausgestattet gewesein sein dürfte. Die wenigen verbliebenen Reste dieser romanischen Fresken wurden im Jahre 1961 fachmännisch abgenommen und in das Museum der Stadt Krems übertragen.

Trotz allem kehrte keine dauerhafte Ruhe ein an diesem Ort. Denn nach einer Geländebegehung, bei der festgestellt wurde das sich unter der Kirchenruine die durch Stauden überwachsenen Mauerfluchten einer mittelalterlichen Burganlage ausdehnten, begann man 1988 gemeinsam mit dem BDA und dem Verein für Dorferneuerung, Kultur- und Wirtschaftsinitiativen Gossam-Grimsing-Schallemmersdorf eine archäologische und bauhistorische Erkundung der Burganlage. Die Arbeiten unter der Leitung des Archäologen Gustav Melzer sollten bis 1994 andauern. Flossmann Gerhard publizierte im Perschling-Verlag das Buch „Burg- und Burgkirche Gossam“ mit einer Aufarbeitung der gewonnenen Erkenntnisse. Gossam ist somit eine der wenigen, großflächig wissenschaftlich untersuchten Burganlagen in Österreich. Die Untersuchungen konnten nur durch die freiwillige und teils aufopfernde Hilfe und Beteiligung zahlreicher Vereine, Institutionen und Privatpersonen durchgeführt werden. Da die freigelegten Mauern nach den Untersuchungen vor zerstörerischen Witterunsgeinflüssen geschützt werden konnten, blieb die Burganlage bis heute auch im Innenbereich ganzjährig frei begehbar.

Bei den Untersuchungen konnten wichtige Erkenntnisse über die Entstehung und auch über das mutmaßliche Aussehen der Burganlage gewonnen werden. So dürfte es bereits im 10. Jhdt. an dieser Stelle einen festungsähnlichen Bau gegeben haben, der einen nicht unbedeutenden Weg Richtung Norden ins heutige Waldviertel sichern sollte. Mit dem Bau einer Ringmauer und einer Kapelle um 1100 bekam die Anlage erst das charakteristische Aussehen einer (kleinen) Burg. Was jedoch untypisch ist: es konnte kein Turm im Bering nachgewiesen werden. Ein solcher, so wird vermutet, wurde erst in den nachfolgenden Jahrhunderten hinzugefügt.

Die im Rahmen der archäologischen Untersuchungen gemachten Keramikfunde legen allerdings eine Besiedlung ab dem 11. Jhdt. nahe. Einen Höhepunkt dürfte es im 12. Jhdt. gegeben haben, wobei der Niedergang in das 13. Jhdt. zu legen wäre. Das die Wallfahrten zur Burgkapelle St. Pankratius im 14. Jhdt. einsetzten verblüfft, waren zu dieser Zeit von der ehemaligen Burganlage wohl nur mehr ruinöse Reste erhalten und die Burgkapelle noch in wirklich bescheidenem Ausmaß.

 

Burgkirche Gossam in der Wachau

 

Aus Sicht des ehemaligen Burggrabens liegt die Burgkirche Gossam inmitten der dichten Wälder auf einem in das Tal des Felbringbaches vorgeschobenen, felsigen Hügels.

Burgkirche Gossam – die Sagen

Für viele ist die Burgkirche Gossam ein mystischer, ja fast verwunschener Ort. Es gibt Erzählungen, wonach hier Hexenverbrennungen stattfanden oder gar ein erhängtes Mädchen im Kirchturm gefunden wurde, dessen Jammern noch immer zu hören sein soll. Falls es tatsächlich derartige Exzesse und Entgleisungen der Menschlichkeit an diesem Ort gab, so sollte der Ort nur noch mehr mit Andacht betreten werden. Denn Kirchen waren meist auch Begräbnisstätten. Und tatsächlich fand man bei den Ausgrabungen zur Erforschung der Burganlage in engen Felsspalten die Gebeine von 31 sog. „unfröhlichen Kindern“ in nur geringer Tiefe. Diese unehelichen („Bankert“) oder ungetauften Kinder, die kurz vor oder nach der Geburt verstorben waren, durften nicht auf einem Friedhof begraben werden. Man bestattete sie deshalb entlang der Kirchenmauer, damit das vom Dach herab laufende Regenwasser sie gleichsam taufte und Ihnen so ein Einlaß in den Himmel bescherte. Die Wissenschaft bezeichnet derart bestattete Kinder als „Traufkinder“.

Ein Blick zurück auch, an die unzähligen Menschen die sich von einer Wallfahrt an diesen Ort einst Großes erhofften. Erlösung von Leiden, Linderung von Schmerzen, Heilung von Krankheiten, Fürbitten für Verstorbene. Ob Ihre Gebete erhört wurden, weiß heute niemand mehr zu sagen, kein Andenken mehr zu berichten.

Warum ausgerechnet diese kleine Burgkapelle zu einem Wallfahrtsort wurde, weiß keine Sage zu berichten. Stand sie doch noch dazu zu Beginn der Wallfahrten inmitten der ruinösen Reste der einstigen Burganlage.

Heute ist die Burgkirche Gossam über den sog. Eselsteig mit einem Wandernetz verbunden und wurde so einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich. Es gibt aber auch die Möglichkeit, mit dem Auto bis direkt unterhalb der Burgkirche zu gelangen. Dort kann das Fahrzeug auf einem Parkplatz direkt unterhalb der Anlage abgestellt werden. Heute wird das Areal als Erholungsort genutzt, kann aber auch für spezielle Events gemietet werden.

 

 

Kontakt:
Burgkirche Gossam
3644 Emmersdorf an der Donau
Telefon: +43 (0) 2752 / 700 10
Fax: +43 (0) 2752 / 700 10-12
Email: info@emmersdorf.at
Home: www.emmersdorf.at
Email: admin@dorfhaus-gossam.at
Home: www.dorfhaus-gossam.at

Quellen:
NÖ Burgendatenbank imareal (inkl. Grundriß- und Baualterplan)
Dorferneuerungsverein Gossam
Auch ein Geocache soll hier versteckt sein.
Pfarre Emmersdorf
Kirchen am Fluss

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