Ulrichsburg (Sankt Ulrich) im Elsass (Frankreich)

Burg Sankt Ulrich im Elsass

Ulrichsburg im Elsass in den Weinbergen oberhalb von Ribeauville im französischen Elsass. Sie ist die ältere der drei „auf einem Berge“ gelegenen Burgen. Die Entstehung kann gesichert ins 11. Jhdt. datiert werden, obwohl es Vermutungen zu einem römischen Vorgängerbau gibt. Aus der Zeit der Romanik sind einige wunderschöne Ornamente aus rotem Sandstein und architektonische Details erhalten geblieben.

Ulrichsburg – die Baugeschichte

Das Elsass in Frankreich ist weithin bekannt für die besonders hohe Dichte an klassischen Burganlagen. In dieser Region sind teilweise drei Burgen auf engstem Raum anzutreffen. Darüber berichtet auch ein altes Sprichwort: Drey Schlösser auf einem Berg, Drey Kirchen auf einem Kirchhoff, Drei Städte in einem Thal, Drey Offen in einem Sahl, Ist das ganze Elsass überal. [1] Oberhalb des mittelalterlichen Städtchens Ribeauville liegen die drei Burgen Ulrichsburg, Hohrappoltstein und Girsberg. Dabei ist Ulrichsburg die ältere der drei in Sichtverbindung liegenden Burganlagen. Erbaut wurde Ulrichsburg, dass auch Sankt Ulrich genannt wird, bereits im 11. Jhdt. auf vermutlich römischen Fundamenten. Sie gilt als der eigentliche Stammsitz des alten edlen Geschlechtes der Rappoltsteiner. Diese waren mehrmals mit den deutschen Kaisern verschwägert und zählten zu den mächtigsten und einflussreichsten Familien des ganzen Landes. Die Rappoltsteiner erloschen im Mannesstamme 1673.

Rappoltstein, Ulrichsburg und Sankt Ulrich

In den Urkunden ist es nicht immer leicht, die Burg eindeutig zuzuordnen, da sie im Laufe der Jahrhunderte viele verschiedene Bezeichnungen erhielt. So waren die urkundlichen Nennungen wie folgt:

  • 1084 castrum Rapoldestein
  • 1368 Groß-Rappoltstein
  • 1371 castrum Rapoltzsteine inferius in volgari die Niderburg
  • 1378 Grosze Burg Rapolczstein
  • 1435 majori castro Rappolstein
  • 1453 Große Veste Rappoltstein
  • 1477 St. Ulrich
  • 1518 Großen Rappoltstein
  • 1536 Sant Ulrich
  • 1627 Schloss St. Ulrich
  • 1778 Große Veste Rappoltstein, in den Akten „St. Ulrich, dermalen Unterschloß“

Weitere Schreibweisen sind Chateau de Saint Ulrich und Grand-Ribeaupierre.

 

Burg Sankt Ulrich im Elsass

Besonders der Palas beeindruckt noch heute mit den neun erhalten gebliebenen Biforen (= Doppelfenster) aus der Zeit der Romanik um 1200. Die Biforen zeigen Säulchen in der Mitte, ein durchbrochenes Bogenfeld und Kugelbesatz an den Mauerpfeilern. Alle neun Doppelfenstern waren als sogenannte Sitznischenfenster angelegt.

Der romanische Kern der Ulrichsburg

Ganz besonders beeindruckend an der Ulrichsburg ist sicherlich der Palas aus der Zeit der Romanik. Die neun wunderschönen Biforen (= Doppelfenster) mit durchbrochener Verzierung im Bogenfeld und Kugelbesatz an den Mauerpfeilern, lassen erahnen, wie prächtig dieser Saal im Palas wohl einst ausgestattet gewesen sein mag. Jedes der neun doppelbogigen Fenster hatte zwei Sitzbänke, an denen sich ein wunderbarer Ausblick ins Tal zu den Ortschaften Ribeauville und Bergheim bietet. Im Erdgeschoß besitzt der Palas lediglich kleinere Fensteröffnungen bzw. Schlitzscharten. Ein Raum aus dem 11. Jhdt. zeigt einen ebenfalls romanischen Kamin. Die dem heiligen Ulrich geweihte Burgkapelle zwischen dem Bergfried und dem Donjon wurde 1435 errichtet. Damals ließ Graf Smassmann (Maximin) von Rappoltstein die Burg erweitern. Von dieser Burgkapelle erhielt die Anlage Ihren Namen, der Altar ist erhalten geblieben. Geweiht wurde der Altar zu Ehren des Heiligen Ulrich am 2. Oktober 1435 durch den Generalvikar des Basler Bischofs.

Ende des 15. Jhdts. ermordete die für Ihre Schönheit bekannte Kunigunde von Giersberg ihren Gemahl Wilhelm von Hungerstein. Sie erhielt dafür eine lebenslängliche Gefängnisstrafe, die sie im Verlies von Sankt Ulrich zu verbüßen hatte. [2]

Im Dreißigjährigen Krieg (1618/48) wurde die Ulrichsburg zerstört und später verlassen und verfiel zunehmends. Sie zählt trotzdem zu den am besten erhaltenen Burganlagen des Elsass und kann jederzeit besichtigt werden.

Die Erbauer von Ulrichsburg genannt „St. Ulrich“

Die Herren von Rappoltstein (franz. Ribeaupierre) erbauten die erste Burganlage vmtl. in der ersten Hälfte des 13. Jhdts. Darauf deuten einige verbliebene architektonische Merkmale. Sie waren es auch, die nach der Zerstörung durch einen Blitzschlag am 10. Juni 1288 die Burg wieder errichteten, nachdem ein Großteil abgebrannt ist. Damit fand die erste urkundliche Nennung statt, wobei die Burg damals noch als „(fulgur exussit tectum) castri quod dicitur der Stein in Rapolstein“ genannt wurde.

1298 kam Girsberg durch Erbteilung an Anselm II. Rappoltstein. In den Urkunden wurden die beiden Burgen „Rapolzsten und der Sten“ (also St. Ulrich und Girsberg) genannt. Anselm tauschte sie bereits 1304 ua. gegen den Stammsitz der Herren von Girsberg nahe Soultzbach-les-Bains im Münstertal. Die Girsberger hatten zu dieser Zeit schwere innere Streitigkeiten und stießen nebenbei zudem auf die Grenzen ihrer angestrebten Expansionspolitik.

 

Burg Sankt Ulrich im Elsass

Blick vom Bergfried auf die Burganlage Ulrichsburg. Der tiefer gelegene Palas (ganz links im Bild) wurde durch eine hohe Schildmauer im Norden (rechts im Bild) geschützt.

Die Ulrichsburg im Sog der Zeit

Die Ulrichsburg wurde immer wieder zum Spielball der Geschichte. Einst kam es zu Erbstreitigkeiten zwischen den Töchtern des Letzten des Stammes der Rappoltsteiner. Die eine hatte einen Grafen von Waldeck, die andere, Katharina Agathe von Rappoltstein (1648-1683), im Jahre 1667 Christian II. Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld (1637-1717) geheiratet.[3] Obwohl die Ulrichsburg bereits seit dem Dreißigjährigen Krieg verlassen war und verfiel, wollte keine der beiden Töchter ihr Erbe abtreten. So kam es, dass Ludwig XIV. den Erbfolgestreit 1668 zugunsten des Pfalzgrafen entschied, der längere Zeit das Regiment Royal Alsace in Straßburg befehligte. Als später die schwedische Linie der Herzöge von Zweibrücken erlosch, kam Zweibrücken an die Birkenfelder, die darauf hin teils in Zweibrücken, teils in Rappoltstein residierten.

Von Rappoltstein zum König von Bayern

Der Prinzregent Luitpold von Bayern ließ 1909 eine Gedenktafel am Rappoltsweiler Schloss anbringen zu Ehren seines Urgroßvaters Pfalzgraf Friedrich, der 1724 im Stadtschloss Rappoltsweiler geboren wurde. Pfalzgraf Friedrich wurde bereits 1736 Herr von Rappoltstein und Inhaber des Regiment d` Alsace. Sein Sohn schenkte ihm als Enkel Karl August als Karl 11. Nach seinem 1778 erfolgten Rücktritt trat durch einen Erbvertrag der jüngere Sohn Maximilian Joseph als Herr von Rappoltstein und Oberst des Corps d´ Alsace das Erbe an. Er war in Straßburg allgemein beliebt und ging als der „Dicke Max“ in die Geschichte ein. Dessen Grenadiere opferten einst ihre Schnurrbärte, nur um ihrem Kommandeur daraus ein Kissen überreichen zu können, auf dem der in Straßburg geborene Sohn Maximilians, genannt Ludwig, der spätere Bayern-König, zur Taufe getragen wurde. Beim Ausbruch der Französischen Revolution flüchtete Maximilian Joseph mit seiner Familie über den Rhein nach Darmstadt und weiter nach Mannheim. Er ging seiner Länder verlustig und lenbte mit seiner Familie unter sehr bescheidenen Verhältnissen. Allerdings erbte er sämtliche pfalzbayrischen Länder nach Karl Theodors Tod, wurde 1806 König von Bayern und sein Sohn wurde Ludwig I., der Gründer der Kunststadt München.[4]

 

 

Kontakt Touristeninfo Ribeauville-Riquewihr:
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M. Claude Arnoux
10 Grand´rue
B.P. 90067
68150 Ribeauville
Telefon: +33 (0) 3 89 73 23 23
Home: www.ribeauville-riquewihr.com
Email: Emailanfrage

 

Quellen:
1) Die Burgen des Elsass; Band II: Der spätromanische Burgenbau im Elsass 1200-1250; Thomas Biller &  Bernhard Metz; Deutscher Kunstverlag; 2007; S. 225-228

 

Fussnoten:

 

Online Quellen:

1) Ribeauville und Girsberg auf Wikipedia
2) Das Elsass auf Wikipedia
3) Die Ulrichsburg auf Burgenwelt.org mit Grundriss der Burg und des Bergfrieds.

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