Schloss Stein bei St. Marien (Neuhofen) Linz-Land

Prof. Alfred Rolleder schrieb 1894 in seinem Buch "Heimatkunde von Steyr - Historisch-topographische Darstellung der politischen Bezirke Steyr Stadt und Land": In der Ortschaft Stein bei St. Marien stand einst ein wohlbefestigtes Schloß gleichen Namens. Wann es erbaut wurde, ist nicht bekannt."

Glücklicherweise fügte prof. Rolleder eine Interpretation des Vischerstiches von 1674 dem Artikel an, der uns einen guten Eindruck dieser einst wirklich wehrhaften Festung gibt. Zu sehen ist darauf ein großer Gebäudekomplex mit vorgelagertem Mauerzug inmitten eines großen Teichs. Das Eingangsportal wird von einem Pecherker überschattet und beiderseits stehen Türme, die den Torbau selbst um ein ganzes Stockwerk überragen. Versetzt dahinter und durch ein niedriges Gebäude mit dem Torbau verbunden, zieht ein turmartiges, sehr wehrhaft wirkendes Gebäude, unweigerlich jeden Blick auf sich. Ebenerdig besitzt dieser Turm lediglich Schießscharten und die größeren Stockwerkabstände deuten auf saalartige Räumlichkeiten hin. Dieser Bau hat, gleich wie die beiden Türme beiderseits des Eingangsportals, mit mächtigen Quadern verzierte/verstärkte Gebäudekanten. Daran angelehnt steht ein weiteres Gebäude mit zwei Ebenen, das aber nur etwas mehr als halb so hoch ist. Dahinter ist anhand des Verlaufs der Dachkanten ein weiteres Gebäude zu vermuten. Das gesamte Gelände, auf dem die Festung steht, scheint aufgeböscht.

 

Schloss Stein bei St. Marien / Oberösterreich
Mai 2007: Dieses unscheinbare Gebäude in der Ortschaft Stein bei St. Marien soll
einst die Hoftaverne gewesen sein. Foto: Markus Hauser

 

 

Prof. Rolleder schreibt weiter, daß das Schloß selbst bis ins 14. Jhd. den Herren von Stein gehörte, einem im 12. Jhd. weitverzweigten und hochangesehenen Geschlecht, dessen Mitglieder in zahlreichen Urkunden der Klöster Kremsmünster, Garsten, Gleink, St. Florian, Baumgartenberg, Schlägl, St. Nikola, Waldhausen und Mondsee, deren Wohltäter sie waren, als zeugen angeführt werden. Anmerken möchten wir an dieser Stelle aber, das es durchaus möglich sein könnte das einzelne urkundliche Nennungen auf Personen zurückzuführen sind, die sich nach ihrem "Ansitz" oder Burg nannten. Und da der Name "Stein" in einer Zeit von vorwiegend aus Holz erbauten Unterkünften ein durchaus gebräuchlicher war, um seinen Status zu bezeugen, könnte diese Überlegung durchaus zutreffen. Dies bleibt aber zu prüfen.
Prof. Rolleder weiß aber 1894 noch die Geschichte des ersten urkundlich erwähnten "von Stein" zu erzählen. Als im Jahre 1140 Imbrich Bischof von Würzburg auf Bitten Friedrichs von Rot die Brücke in Wels für die Wanderer mautfrei erklärte, war Albuin von Steine, sein Sohn Pezelin und Rudolf von Oberndorf unter den Zeugen. Drei Jahre später war Albero de Steine auch dabei, als Markgraf Otakar III. von Steyr dem Kloster Garsten dessen Besitzungen bestätigte.

 

Schloss Stein bei St. Marien / Oberösterreich

Schloß Stein im Jahre 1674 nach G. Vischer von F. Kulstrunk. Reproduktion: Markus Hauser

 

Markgraf Otakar IV. von Steyr bestätigte um 1180 einem Vertrag zwischen dem Kloster Garsten und Heinrich von Tunchenstein und seiner Gemahlin Liutgard, einer Tochter des Reinher von Stein. Walchun und dessen Sohn Rapoto von Stein bezeugten 1189 den Verzicht von Herzog Leopold V. von Österreich und Steyr auf alle Ansprüche aus der Erbschaft der Grafen von Rebgau zugunsten des Klosters Kremsmünster. 1200 schlichtete der Abt von Kremsmünster einen Streit zwischen seinen Ministerialen, wobei Merboto von Stein als Zeuge auftritt. Zwischen 1213 und 1266 wird Ernest von Stein in zahlreichen Kremsmünsterer Urkunden als Zeuge angeführt. Er und seine Gattin stifteten im Jahre 1265 zur Haltung eines Jahrtages und Frohmahles zum Krankenhause in Kremsmünster ein Lehen "in der Swerze" bei Pettenbach, welches 3 Schlg. diente, ein anderes Gut, welches ebensoviel abwarf samt dem Zehent von demselben und 10 Joch Wald "im Schachen".

 

 

Schloss Stein bei St. Marien / Oberösterreich
Mai 2007: Auch diese Mühle soll einst zur Herrschaft Stein zugehörig gewesen sein. Foto: Markus Hauser

 

 

Die nächsten urkundlich belegten aus derer "von Stein" können in einer Florianer Urkunde aus dem Jahre 1272 gefunden werden; es sind dies Friedrich von Stein und dessen Sohn Leopold. Friedrich von Stein wird kurz darauf 1274 im Revers des Probstes und des Convents von St. Florian wegen eines vom Ritter Albert von Wolfstein gestifteten Jahrtages als Zeuge genannt. Prof. Rolleder vermutete 1894, das der letzte Besitzer aus diesem Geschlecht wohl Dietmar von dem Stein gewesen sei, welcher im Jahre 1356 die Mühle "Datz dem Stayn, da wir émal aufgesezzen sein", dem Kloster Garsten aufgab und 40 Pfd. mit 40 Bürgen setzte, daß er an derselben nichts mehr zu fordern habe. Jedoch muß Schloß Stein schon lange vorher in den Besitz der Kerschberger gekommen sein, den schon ab 1304 bis 1334 tritt Friedrich der Kerschberger von dem Stein als der erster gesicherte Besitzer aus diesem Geschlecht, handelnd auf. Dieser hatte dem Kloster Gleink zwei Güter "auf dem Dürstling in der Neukirchner Pfarr bei der Ipf" zu einem Seelgeräthe gegeben, auf welche nach seinem Tod Marchard der Zeller Anspruch machte, aber im Jahre 1347 Verzicht leistete. Die diesbezügliche Urkunde siegelten Marchard der Kerschberger von dem Stein, dessen Bruder Ortolf und ihr Vetter Hartnid. Wilhelm Kerschberger, Sohn des Marchard, stiftete kurz vor seinem Tode 1367 mit 15 Pfd. Pfg. auf den halben Maulhartshof zu "Galgolzau" in der Pfarre Hofkirchen, die er dem Siechenhause im Kloster Gleink widmete, für sich und seine Gattin Anna einen Jahrtag, worüber Abt Heinrich im folgenden Jahr einen Revers ausstellte. Marchard Kerschberger, Sohn des Wilhelm, versetzte 1374 dem Kloster Gleink für 25 Pfd. Pfg. die andere Hälfte des Maulhartshofes, die sein freies Eigen war.

 

Schloss Stein bei St. Marien / Oberösterreich
Mai 2007: Das Haus am See in der Bildmitte ist lt. Birkenreihe der einstige Meierhof der Herrschaft Stein. Da dies Privatbesitz ist, bleib es uns verwehrt, einen genaueren Blick auf das noch bestehende Gebäude zu werfen. Auffallend jedoch ist, das es ein abgewalmtes Dach besitzt. Foto: Markus Hauser

 

Schloss Stein bei St. Marien / Oberösterreich
Als Vergleich ein Bild aus dem Jahr 2001, kurz nach einer Renovierungsphase. Foto: Markus Hauser

 

 

Lt. Prof. Rolleder kam Stein hierauf in den Besitz der Küenberger, die es wahrscheinlich durch Erbschaft erlangten. Prof. Rolleder berichtet zwar, das die urkundlichen Nachrichten über dieses Geschlecht äußerst gering sind, doch kann er uns zumkindest den Vertrag über die "Theilung der Güter" zwischen Friedrich und Heinrich von Wallsee im Jahre 1361 nennen, den Friedrich der Ehyenperger siegelte. Katharina, die Tochter Heinrich Kerschbergers und Witwe des Herrn N. Küenbergers, die sich in zweiter Ehe mit Engelhard Gruber zu Luftenberg vermählt hatte, wird 1444 zum zweitenmal Witwe. Um 1440 heiratet ein Herr Küenberger, vermutlich ein Sohn des N. Küenberger, Margarete, die Tochter des Caspar Neuhauser. 1490 muß Siegmund Küenberger zum Stein bei Weißenberg zur Belagerung der Tettauer Schanze zwei Rüstwagen beistellen. Er hatte drei Töchter, von welchen sich Juliana 1508 mit Ulrich von Perkheim zu Hofeck, Anna 1527 mit Hans Fueterfass und Margarete ebenfalls 1527 mit Alexander Göltinger zu Haiding vermählte. Nebst diesen berichtet Prof. Rolleder von einem Wolf Kienberger, dessen Tochter Anna 1500 einen Egger zum Gatten hatte und um 1520 heiratete Michael Küenberger zu Vellaprunn Johanna, geb. Grosser, Witwe nach Siegmund Stainböck. Wie lange Stein im Besitz der Küenberger war, ist Herrn Prf. Rolleder nicht bekannt gewesen.

In der Folge kommen die Volkersdorfer in den Besitz der Herrschaft. Der letzte dieses Geschlechtes, Wolf Wilhelm von Volkersdorf, war Inhaber der Herrschaften Volkersdorf, Weißenberg, Stein und Reichersdorf. Nach seinem Tode 1616 gelangten diese Herrschaften 1620 an Johann Tserclas Graf von Tilly, bei dessen Familie sie bis 1730 verblieben, als schließlich Maria Anna Katharina, Gemahlin von Anton d.ä. Grafen von Montfort, Schwester und vor allem Universalerbin von Ferdinand Laurenz Franz Xaver Tserclas, des letzten im Jahre 1724 verstorbenen Grafen von Tilly, die Herrschaften dem Graf Johann Josef Clement Anton Freiherr von und zu Weichs, verkaufte. Von dessen Witwe, der Freiin Ludovica von Weichs, geb. Freiin von der Gracht de Wanghe, welche das Gut Stein vermöge des Vergleichs vom 10 Jänner 1757 erlangt hatte, erwarb das Kloster St. Florian am 28. Mai 1764 die Herrschaften Volkersdorf (Tillysburg) und Stein, während Weißenberg schon früher an die Grafen von Hochhaus gekommen war. Der Landtafelkörper der Herrschaft Stein wurde bei Anlegung der neuen Landtafel mit der Realität "St. Florian das Stift im Traunviertel" vereinigt.

St. Florian konnte mit den genannten Gütern seinen Besitz abrunden, wodurch die Streitigkeiten, die es früher wegen dieser Herrschaften in Betreff des Landgerichtes, als auch der Jagd gehabt hatte, aufhörten. Der zu Stein gehörige Grundbesitz wurde in den fünziger Jahren des 19. Jhds. zerstückelt und verkauft und das Schloßgebäude schon 1848 bis auf ein Wohnhaus und ein Stallgebäude abgebrochen. Heute, 2007, steht von dieser einst stattlichen Feste nur mehr ein kleiner Teil des angeblichen Meierhofes, die Taverne und die Mühle. Vom "Schloß Stein" ist indes nichts mehr zu sehen.

Quelle: Prof. Anton Rolleder, Historisch-topographische Schilderung der politischen Bezirke Steyr Stadt und Land, Verlag Wilhelm Ennsthaler, Steyr 1894, S. 305-307

 

 

 

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Lage: Das Schloss wurde gänzlich abgetragen und stand einst mitten in der heutigen Ortschaft Stein, hinter dem großen Teich in der Ortsmitte.
Adresse: KG Oberndorf, OG St. Marien, Ortschaft Stein

Gemeinde: Neuhofen a.d. Krems
Bezirk: Linz-L
Bundesland: Oberösterreich

Öffnungszeiten: Nur der Teich, in dem einst das Schloss stand, ist frei zugänglich.

Anfahrt: Von Linz aus auf der A1 (Westautobahn) in Richtung Salzburg bis zur Abfahrt Traun, hier weiter die Kremstaler Bundesstraße bis Nettingsdorf, hier weiter Richtung Kurzenkirchen und in Kurzenkirchen rechts abbiegen in Richtung St. Marien. Nach ca. 2km, rd 1km nördlich St. Marien, liegt links der Straße im seichten Tal die kleine Ortschaft Stein. Link zu Straßenkarte auf www.map24.at

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